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Manche verwechseln Lieberknecht mit Eintracht

Manche verwechseln Lieberknecht mit Eintracht
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Ein Kommentar von Tobias Bosse

Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, da übernahm ein 35-Jähriger Torsten Lieberknecht das Amt des Cheftrainers von Benno Möhlmann. Im Mai sind es nun bereits zehn Jahre. Gott, wie die Zeit vergeht. Zuvor verschliss Eintracht Braunschweig im selben Zeitraum 15 Trainer. Zustände wie beim HSV oder VfL. Besonders das Jahr 2006 mit vier verschiedenen Trainern (Krüger, Krohnhard, Vasic und Reiman) gilt noch heute als mahnendes Beispiel und universal Argument für die Lieberknecht-Lobby, die seit dem selbsterklärten Endspiel von Aue ordentlich Stimmung für den 44-Jährigen Pfälzer macht. Was grundsätzlich ja auch absolut in Ordnung ist, nur darf eines dabei nicht vergessen werden: Torsten Lieberknecht und Eintracht Braunschweig sind immer noch zwei verschiedene Paar Schuhe!

Ja, Torsten Lieberknecht blutet Blau und Gelb. Ja, sein Herz schlägt unüberhörbar für den Turn- und Sportverein von 1895. Ja, er ist ein ebenso emotionaler wie sympathischer Trainer, der auf eine unglaublich erfolgreiche Zeit an der Hamburger Straße zurückblicken kann. Und ja, ob Eintracht Braunschweig jemals wieder einen Trainer bekommt, der so gut zum Verein passt und auch noch erfolgreich ist, darf mindestens bezweifelt werden. Trotzdem darf sich weder der Verein noch die Fanszene von einer Person abhängig machen. Eintracht Braunschweig ist größer als ein Mensch es je sein kann, selbst wenn dieser Torsten Lieberknecht, Helmuth Johannsen oder Branko Zebec heißt – Niemand ist größer als der Verein!

Das heißt nicht, dass Torsten Lieberknecht entlassen werden sollte, aber die Möglichkeit muss wenigstens ergebnisoffen diskutiert werden dürfen. Im Moment wird jedem, der Zweifel hegt, dass Torsten Lieberknecht noch der Richtige für Eintracht Braunschweig ist, vorgeworfen, kein Eintracht-Fan zu sein. „Lieber dritte Liga mit Lieberknecht als 2. Liga ohne“, liest man häufig. Das heißt: Es wird kein Unterschied mehr zwischen Verein und Trainer gemacht. Ich war aber schon Fan, da war an Torsten Lieberknecht als Eintracht-Coach noch überhaupt nicht zu denken und ich werde auch noch Fan von Eintracht Braunschweig sein, wenn er eines Tages nicht mehr Trainer bei uns ist.

Und das wird nach aktueller Lage wohl spätestens im Sommer der Fall sein. Das haben vereinsinterne Quellen bestätigt. Noch reißen sich im Kubus alle im Sinne des Klassenerhalts zusammen, aber das Tischtuch scheint zerschnitten. Seitdem die Vereinsführung im Winter über einen Trainerwechsel nachdachte und Torsten Lieberknecht dieses Thema daraufhin in die Öffentlichkeit getragen hat, sind die Fronten verhärtet. Ein Machtkampf darum, wer im Verein das Sagen hat, kann keinen Gewinner hervorbringen. Dafür würde es aber einen großen Verlierer geben: Den Verein Eintracht Braunschweig. Als Fanszene eines Fußballvereins wird man sich auf Dauer niemals auf eine Person einigen können. Das Einzige, worauf man sich einigen kann, sind Werte – die sind zeitlos!

*Die Meinung des Autors spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

Foto: Imago