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Kommentar: Da ist Arnold machtlos!

Kommentar: Da ist Arnold machtlos!
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Ein Kommentar von Tobias Bosse

Braunschweig. Die Zeiten im Fußball haben sich geändert. Vor vierzig Jahren musste ein Verein umgerechnet nicht mal eine Millionen Euro für die Dienste eines Welt- und Europameisters hinlegen. Heute reicht bereits eine überragende Saison und Ablösen in dreistelliger Millionenhöhe sind fällig. In Deutschlands zweiter Liga sind diese Größenordnungen zwar noch nicht angekommen, aber auch im Bundesliga-Unterhaus verschieben sich die Verhältnisse durch diese Entwicklung teilweise dramatisch. In Braunschweig allerdings nicht so sehr wie anderenorts.

Nehmen wir das Beispiel Onel Hernandez: Norwich City ist mindestens seit vergangenem Sommer interessiert daran, den 24-jährigen Flügelspieler zu verpflichten. Im Winter wurden diese Bemühungen intensiviert. Ein Treffen zwischen Hernandez, seinem Berater sowie Norwich-Coach Daniel Farke fand statt. Der englische Zweitligst muss handeln, weil sie mit Alex Pritchard selbst ihr Mittelfeld-Tafelsilber in die Premier League verkauft haben. Dafür wurden siemit  gut 13 Millionen Euro aber anständig entlohnt.

Nun hat sich der Norwich-Coach, fuchsig wie er ist, natürlich keinen Spieler aus den englischen Liga ausgesucht, weil er weiß, wie überhitzt der Markt dort ist. Geht er also nach Deutschland, denn den Markt kennt er auch bestens. Er sucht sich mit Hernandez einen Spieler aus, der nahezu identisch mit dem abgegeben Pritchard ist. Gleiches Alter, ähnliche Technik, viel Speed und Torgefahr. Nun wird für den Eintracht-Spieler, der noch zweieinhalb Jahre vertraglich in Braunschweig gebundenen ist, aber nicht mal ein Sechstel der Summe geboten, die man zuvor für einen vergleichbaren Spieler erhalten hat. Ich nenne das ziemlich frech!

Aber gut, man kann es ja mal versuchen. Allerdings sollte man sich mit so einem dreisten Angebot zunächst mal eine blutige Nase holen. Sollte der Spieler sowie der interessierte Verein aber nicht locker lassen, wie es offensichtlich bei Hernandez und Norwich der Fall ist – immerhin hat Eintracht-Coach Lieberknecht den Außenbahnspieler nicht für das Spiel in Heidenheim nominiert, weil Hernandez sich nicht in der Lage fühle, alles für den Verein zu geben – muss man sich damit auseinadersetzen. Und jetzt wird es interessant.

Im Gegensatz zur geläufigen öffentlichen Meinung ist in diesen Fällen nicht Marc Arnold der Buhman, der ein vermeintlich zu niedriges Angebot durchwinkt. Bei solchen Summen wird der Aufsichtsrat konsultiert und das letzte Wort hat der Geschäftsführer. Wenn also der Aufsichtsrat sowie Soeren Oliver Voigt der Meinung ist, Onel Hernandez für knapp zwei Millionen Euro abgeben zu können, dann ist Marc Arnold ebenso wie Torsten Lieberknecht völlig machtlos. Natürlich werden beide nach ihrer Auffassung und Einschätzung gefragt, aber entscheiden dürfen sie nicht darüber. Maximal kann Arnold nachverhandeln.

Gleiches galt im übrigen auch für den Verkauf von Saulo Decarli im Sommer für läppische anderhalb Millionen Euro. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass Eintracht diese Spieler deutlich günstiger oder ablösefrei geholt hat und durch diese Summen trotzdem noch ein Überschuss erzielt wird, aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht das keinen Sinn. Insbesondere nicht für einen Verein, dessen Konzept es ist, junge, unbekannte Spieler günstig zu holen, in ihrer Entwicklung weiterzubringen und anschließend möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Das Adverb „möglichst“ ist hier entscheidend.

Würde der Markt nicht mehr hergeben als kanpp zwei Millionen für Hernandez oder anderthalb für Decarli, okay. Aber wie bereits eingangs erwähnt, haben sich die Zeiten geändert und langsam sollte auch Eintracht Braunschweig davon profitieren. Ob Schöpf, Bebou, Kiyotake, Kostic oder Rupp, die Liste der Spieler, die für fünf oder mehr Millionen aus der zweiten Liga wechselten, ist lang. Es wäre schön, wenn ein Hernandez dem wenigstens halbwegs nahe kommen würde. Allein schon, damit man in der verbleibenden Woche, in der das Transferfenster noch geöffnet ist, adäquten Ersatz verpflichten kann.

*Die Meinung des Autors spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

Foto: Robin Burek