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Ist das wirklich alles, Herr Ebel?

Ist das wirklich alles, Herr Ebel?
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Ein Kommentar von Tobias Bosse

Am zweiten Tag nach Lieberknechts denkwürdigen TV-Auftritt saßen die Vereinsverantwortlichen erneut zusammen. Nachdem Eintracht-Präsident Sebastian Ebel bereits gestern über die Braunschweiger Zeitung verlauten ließ, dass Torsten Lieberknecht zunächst Trainer von Eintracht Braunschweig bleibt, veröffentlichte der Verein dann gnädiger Weise am heutigen Dienstagnachmittag auch selbst ein Statement. Nicht, dass es wichtig wäre, ob sich die Wege der Sportlichen Leitung nach knapp zehn Jahren trennen. Aber gut, besser spät als nie. Allerdings dürfte sich wohl jeder, der sich 20 Sekunden (länger dauert es tatsächlich nicht) Zeit genommen hat, um das Statement des Eintracht-Patriarchen durchzulesen, bemerkt haben, dass es der aktuellen Situation nicht mal im Ansatz gerecht wird.

Aber zunächst nochmal zum Casus Knacksus: Wer tatsächlich annimmt, ein Torsten Lieberknecht wüsste nach zehn Jahren im Profifußball-Geschäft nicht genau, was er vor der Kamera sagt, sondern ließe sich von Emotionen leiten, den desillusioniere ich nur ungern, aber dafür ist der 44-Jährige viel zu intelligent und abgebrüht. Die viel wichtigere Frage ist, weshalb hat der Pfälzer sich zu diesem Schritt bewusst entschieden. Offensichtlich sah er keine Möglichkeit mehr, die Differenzen intern zu klären. Ein Schrei nach Hilfe sozusagen. Aus medialer Sicht kann man sich nichts Schöneres wünschen. Zumal man als Sportjournalist in Braunschweig für gewöhnlich nur von der Hand in den Mund lebt und sich auf jeden Brotkrumen, den einem die nahezu stumme Presseabteilung der Eintracht hinwirft, stürzt. Aber aus Fansicht ist es eine beunruhigender Beobachtung, zu sehen, dass der beliebteste sowie erfolgreichste Trainer seit Johannsen und Zebec sich erst selbst auf die Abschussliste setzt und dann intern zum Rapport gerufen wird. Zumindest temporär hat Lieberknecht mit seinem TV-Auftritt die öffentliche Meinung hinter sich gebracht. Intern dürften seine Äußerungen jedoch für Kopfschütteln gesorgt haben.

Das Ergebnis der Sondersitzung ist ebenfalls wenig erheiternd. Zwar bleibt Lieberknecht zunächst Trainer, aber volle Rückendeckung und Zusammenhalt hört sich anders an, als das was Eintracht-Präsident Ebel heute über die Vereinshomepage äußerte: „Wir haben gestern zusammen gesessen und gehen nun – wie wir es auch in der Vergangenheit erfolgreich getan haben – die anstehenden Aufgaben gemeinsam an.“ Nicht nur die Kürze des Statements ist der Situation nicht angemessen, auch die Art und Weise zeugt von einer gewissen Überforderung. Ebel weiter auf E.com: „Für uns steht die Eintracht im Vordergrund! Unser aller Ziel kann nur die volle Konzentration auf den Klassenerhalt sein! Mit der gezeigten Leistung in Aue und der Unterstützung von den Rängen werden wir die nötigen Punkte sammeln.“ Hätte man wirklich internen Zusammenhalt demonstrieren wollen, um gemeinsam mit den Fans den Klassenerhalt so früh wie möglich zu sichern, wäre eine Pressekonferenz durchaus angemessen gewesen. So wirkt es auf mich wie eine Amtspflicht – gerade so das Nötigste, aber mehr auch nicht. Es wäre ja verständlich, wenn sich Lieberknecht bei den übrigen Verantwortlichen mit seinem öffentlichen Alleingang unbeliebt gemacht hat, aber wenn man sich dann dazu entschließt, den Weg gemeinsam weiterzugehen, dann doch bitte richtig, Herr Ebel!

*Die Meinung des Autors spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

Foto: Imago/Hübner