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Personalentscheidungen, die irritieren

Personalentscheidungen, die irritieren
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Ein Kommentar von Tobias Bosse

Braunschweig. Das wars dann für das Jahr 2017! Zum 122. Geburtstag des Vereins konnte sich Eintracht Braunschweig leider nicht selbst beschenken und musste sich Fortuna Düsseldorf mit 0:1 geschlagen geben. Nachdem die aktive Fanszene eine atemberaubende Choreo auf die Beine stellte und die Kurve nach dem Anpfiff minutenlang lautstark feierte, wurde es in der neunten Minute mucksmäuschen still im Eintracht-Stadion. Ein fahrlässig ausgeführter Freistoß aus guter Position führte zum Konter der Fortuna und schließlich zum Rückstand – auch weil kein Blau-Gelber frühzeitig auf die Idee kam, ein taktisches Foul zu begehen. Aber nicht nur das Verhalten der Spieler irritierte mich teilweise, auch Entscheidungen des Trainerteams lassen mich heute noch grübeln.

Im Vergleich zum stabilen Auftritt gegen Spitzenreiter Kiel wechselte Eintracht-Coach Lieberknecht viermal. Aber weshalb? Ich denke, ich werde nicht der Einzige sein, der sich diese Frage gestellt hat. Zumal Louis Samson seine Sache auf der Sechs zuletzt mehr als ordentlich machte und gemeinsam mit Moll gut in der Zentrale harmonierte. Nun sollte Moll für Stabilität im Zentrum sorgen, dabei wurde er von Jan Hochscheidt unterstützt, der dadurch allerdings weniger Akzente im Offensivspiel setzen konnte. Özcan Yildirm ersetzte Hochscheidt dafür im offensiven Mittelfeld, blieb aber weitestgehen blass und unauffällig – durfte aber durchspielen. Auch in der Abwehr wurde rotiert: Reichel kam zurück, dafür rückte Kijewski wieder auf die Rechtsverteidiger-Position und Nkansah auf die Bank.

Die Mittelfeldreihe wechselte Lieberknecht gar einmal komplett durch, im Vergleich zur Punkteteilung eine Woche zuvor. Khelifi, Yildirim und der junge Canbaz rückten dafür ins Team. Besonders das Eigengewächs Ahmet Canbaz machte in seinem Startelfdebüt einen frechen Eindruck, spielte einige gute Bälle in die Tiefe und arbeitete stets mit zurück. Hier bewies der Chef-Coach ein gutes Händchen. Jan Hochscheidt, der wieder mal ein Vorbild an Einsatz und Kampfbereitschaft war, fehlte durch seine defensiven Aufgaben zwar allzuoft als Anspielstation in Umschaltsituationen, machte seine Sache aber dennoch gut. Umso erstaunlicher, das sein Coach ausgerechnet ihn zuerst vom Platz nahm.

Innerhalb weniger Minuten wechselte Lieberknecht dann gleich dreimal. Ein Stürmer war allerdings nicht darunter, weil der Fußballlehrer erneut auf eine Nominierung von Phillip Tietz oder eines anderen Stürmers aus dem Nachwuchsbereich verzichtete und Hernandez oder Zuck somit die offensivsten Optionen waren, die dem 44-Jährigen geblieben waren. Doch das war zu wenig. Suleiman Abdullahi hing völlig in der Luft, bekam kaum Zuspiele in der Box und wenn doch, dann wurde er direkt gedoppelt. So musste er oft auf die Außen ausweichen, als logische Konsequenz war das Sturmzentrum daraufhin nicht besetzt. Ein zweiter Stürmer wäre hier notwendig gewesen.

Was ich neben den fragwürdigen Personalentscheidungen aber als absolut positiv bewerte, ist, dass Eintracht selten so wenig lange Bälle geschlagen hat und bemüht war, das Aufbauspiel flach zu strukturieren. Auch wenn dabei noch nicht alles perfekt lief (Passquote von 77 Prozent), muss das die Devise für die Winterpause sein: Variabler im Aufbauspiel werden. Lange Bälle waren immer ein adäqutes Mittel, um im Fußball zum Erfolg zu kommen und das wird auch immer so bleiben, aber nur dann, wenn der Gegner nicht weiß, dass du jeden Ball lang hinten raus spielst, sondern dabei mit Kurzpassspiel varriierst. Damit er sich nicht auf die einstellen kann. Die Qualität im Kader dafür ist da, aber es muss an den technischen Grundlagen – Ballannahme, Ballmitnahme und Passspiel – gearbeitet werden. Dann ist Eintracht in der Rückrunde vielleicht noch für die ein oder andere Überraschung gut.

*Die Meinung des Autors spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.