Home Eintracht Löwen in letzter Sekunde niedergerungen

Löwen in letzter Sekunde niedergerungen

Löwen in letzter Sekunde niedergerungen
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Am Ende hat es nicht sollen sein. Eintracht Braunschweig verliert sein DFB-Pokal-Achtelfinalspiel denkbar knapp mit 2:3 nach Verlängerung. Der eigentliche Held des Spiels saß nach 120-minütigem Kampf zusammengekauert auf dem Stadiongrün, das Trikot über dem Kopf. Rafal Gikiewicz hatte seine Farben lange Zeit im Spiel gehalten, nun trauerte er allein. Mit 16 gehaltenen Großchancen stellte der Eintracht-Keeper gar einen DFB-Pokalrekord auf.

Der Held des Spiels saß nach dem Kampf zusammengekauert auf dem Stadiongrün, das Trikot über dem Kopf. Foto: imago
Der Held des Spiels saß nach dem Kampf zusammengekauert auf dem Stadiongrün, das Trikot über dem Kopf. Foto: imago

Dabei hatte alles so aussichtsreich begonnen. Zwar treten die Blau-Gelben – bedingt durch den Ausfall Emil Berggreens – erneut ohne echten Stürmer an, agieren aber dennoch couragiert. In den Eröffnungsminuten werden die Gastgeber früh unter Druck gesetzt. Dieses hohe Pressing zeigt schnell Wirkung: Die sichtlich verunsicherte Abwehr der Schwaben hat teilweise große Mühe, sich gegen die hochstehenden Löwen zu befreien.

Als Salim Khelifi in der sechsten Minute nach einer kurzen Ecke seinen Gegenspieler per Übersteiger austeigen lässt und Joseph Baffo den Lattenabpraller von Saulo Decarli zur Führung abstaubt, ist der Wunschauftakt perfekt. 1:0 beim Bundesligisten nach nur wenigen Minuten. Den Gegner zum reagieren gezwungen. Besser kann es für einen Außenseiter eigentlich kaum kommen.

Der Wunschauftakt ist perfekt. Foto: imago
Der Wunschauftakt ist perfekt. Foto: imago

Die Gastgeber müssen jetzt mehr in das Spiel investieren – und das tun sie auch. Eintracht gelingt es immer seltener, sich Luft zu verschaffen. Die Folge: Nach einem der zahlreichen Eckbälle steht Georg Niedermeier sträflich frei im Fünfmeterraum und nickt unbeeindruckt zum Ausgleich ein.

Dann kommt die große Show des Rafal Gikiewicz. Nicht nur ist der Pole beim Elfmeter von Stuttgarts Maxim in der richtigen Ecke, er hält den Blau-Gelben mit einer wahren Schwemme von Paraden das Remis fest. Solch eine Sicherheit im Rücken beflügelt auch die Teamkollegen: Eintracht traut sich nun wieder mehr zu, investiert auch wieder in die Offensivbemühungen – und kommt gegen die schwächste Abwehr der Bundesliga durchaus zu Abschlüssen. Bis zur Verlängerung entwickelt sich ein packendes Spiel. Lediglich in den letzten Minuten der regulären Spielzeit entsteht der Eindruck, bei beiden Mannschaften sei die Luft raus. Ein Eindruck, der sich wahrlich nicht bestätigen sollte, denn was folgt, ist an Dramatik kaum zu überbieten.

Dann kommt die große Show des Rafal Gikiewicz. Foto: imago
Dann kommt die große Show des Rafal Gikiewicz. Foto: imago

In der 99. Minute kommt Borys Tashchy nach einem katastrophalen Rückpass von Salim Khelifi zum Flanken. In der Mitte nutzt Timo Werner den Kommunikationsfehler zwischen Gikiewicz und Baffo zur 2:1-Führung. Zwar macht der Eintracht-Schlussmann zum ersten Mal keine souveräne Figur, seine Leistung aber war erst dafür verantwortlich, dass dieses Spiel überhaupt in die Verlängerung ging.

Und die Braunschweiger geben nicht auf. Lieberknecht stellt dem zuvor bereits eingewechselten Hvilsom auch noch Orhan Ademi an die Seite. Der Schweizer ist es auch, der den Ball in der 110. Minute aus spitzem Winkel in die Maschen drischt. Ausgleich. Alles wieder offen.

Der Schweizer drischt ein. Foto: imago
Der Schweizer drischt ein. Foto: imago

Leider steht kurz darauf ein Akteur im Fokus, der eigentlich am besten zum Spiel beiträgt, wenn er gar nicht auffällt. Wenige Minuten vor dem Ende ist es erneut Ademi, der einen Ballgewinn forciert und anschließend zielstrebig in den Straufraum eindringt. VfB-Verteidiger Niedermeier kommt zu spät, trifft bei seiner Grätsche klar den Braunschweiger Angreifer – doch dieses Mal bleibt Peter Sippels Pfeife stumm. Auf der anderen Seite hatte er im ersten Durchgang bei einer vergleichbaren Aktion noch auf den Punkt gezeigt.

Am Ende soll es für die aufopferungsvoll kämpfenden Löwen nicht einmal zum Elfmeterschießen reichen. Erneut wird ein Stuttgarter bei einem Eckball fahrlässig allein gelassen. In der 118. Minute ist es Sunjic, der per Kopfball die Entscheidung besorgt. Signifikantes Detail: Alle drei Stuttgarter Tore fallen per Kopf, zwei davon nach Eckstößen.

"Es ist natürlich bitter, wenn du dir 120 Minuten lang umsonst den Arsch aufgerissen hast." Foto: imago
„Es ist natürlich bitter, wenn du dir 120 Minuten lang umsonst den Arsch aufgerissen hast.“ Foto: imago

Es bleibt festzuhalten, dass an diesem Pokalabend sicherlich nicht die zwangsläufig bessere Mannschaft gewonnen hat. Das Tor ins Viertelfinale stand für Eintracht Braunschweig weit offen. Um es mit Mirko Boland zu halten: „Es ist natürlich bitter, wenn du dir 120 Minuten lang umsonst den Arsch aufgerissen hast.“