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Der unverstandene Manager – Marc Arnold

Der unverstandene Manager – Marc Arnold
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Die am wenigsten wertgeschätzte Personalie an der Hamburger Straße ist der Sportliche Leiter Marc Arnold. Aber warum ist das eigentlich so? Was hat der 45-Jährige verbrochen, dass das Tischtuch für einige Blau-Gelbe Anhänger scheinbar für immer zerschnitten bleibt und ihm quasi jegliche Kompetenzen abgesprochen werden? Darum habe ich mir mal alle Transfers seit seinem Amtsantritt 2008/09 angesehen und denke, ich weiß jetzt, was die Gründe sind. Die „Motzer“ haben entweder keine Ahnung von der Arbeit, die Marc Arnold verrichtet oder sie interessieren sich überhaupt nicht dafür. Ich meine, Kritik ist richtig und wichtig, aber nur dann, wenn sie auch angebracht und begründet ist.

Die „Motzer“ haben einfach keine Ahnung von der Arbeit, die Marc Arnold verrichtet.
Die „Motzer“ haben einfach keine Ahnung von der Arbeit, die Marc Arnold verrichtet.

Als der gebürtige Südafrikaner 2005 aus Braunschweig nach Hessen-Kassel wechselte, war wohl schon klar, dass er kurze Zeit später vom Spielfeld ins Büro wechseln würde. Im Juli 2007 übernahm er dann als Sportlicher Leiter die Geschicke in Kassel. Kein Jahr später holte die Eintracht ihren alten Mittelfeldspieler wieder zurück, um hier gemeinsam mit Torsten Lieberknecht eine Ära zu beginnen. Mit so gut wie keinem Geld sollte eine schlagkräftige Mannschaft zusammengestellt werden. Keine leichte Aufgabe zum Amtsantritt.

- aus der eigenen Jugend zog er Marc Pfitzner hoch und gab ihm seinen ersten Profivertrag.
– aus der eigenen Jugend zog er Marc Pfitzner hoch und gab ihm seinen ersten Profivertrag.

Arnold holte in diesem Jahr 08/09 unter Anderem:
– den 22-jährigen Kingsley Onuegbu aus Idar-Oberstein, ablösefrei.
– den 19-jährigen Smail Morabit aus Köllerbach, ablösefrei.
– aus der eigenen Jugend zog er Marc Pfitzner hoch und gab ihm seinen ersten Profivertrag.
– Marc Vucinovic holte er als 19-Jährigen aus Bavenstedt, ablösefrei.
– Tim Danneberg kam mit 23 Jahren aus Bielefeld, mit 75.000€ der einzige nicht ablösefreie Spieler, den Arnold in diesem Jahr holte.
– den Königstransfer hob er sich für den Winter auf, dann kam der 21-jährige Mirko Boland ablösefrei aus Duisburg.

- den Königstransfer hob er sich für den Winter auf, dann kam der 21-jährige Mirko Boland ablösefrei aus Duisburg.
– den Königstransfer hob er sich für den Winter auf, dann kam der 21-jährige Mirko Boland ablösefrei aus Duisburg.

Als Einstieg liest sich diese Liste zunächst sehr respektabel. Damals interessierte sich wohl auch kaum jemand für die Tätigkeiten von Herrn Arnold. Letztendlich machte er selbst durch seine gute und günstige Einkaufspolitik von sich Reden. Im Sommer darauf – 2009/10 – kamen wieder vier Spieler in die Mannschaft von Torsten Lieberknecht, die später zu absoluten Leistungsträgern werden sollten und zwar für insgesamt 0€ Ablöse:

- Karim Bellarabi unterschrieb seinen ersten Profivertrag mit 19 Lenzen.
– Karim Bellarabi unterschrieb seinen ersten Profivertrag mit 19 Lenzen.

– Karim Bellarabi unterschrieb seinen ersten Profivertrag mit 19 Lenzen.
– Norman Theuerkauf wechselte als 22-Jähriger von Frankfurt II.

– Damir Vrancic ebenfalls 23 Jahre kam aus Dortmund II.
– und natürlich Dominik Kumbela mit 25 von Rot-Weiß Ahlen.

- und natürlich Dominik Kumbela mit 25 von Rot-Weiß Ahlen.
– und natürlich Dominik Kumbela mit 25 von Rot-Weiß Ahlen.

In den Folgejahren stießen noch Benjamin Kessel, Marcel Correia und Ermin Bicakcic zur Eintracht alle 22 Jahre und ablösefrei – bis auf Ermin, der 100.000€ Ablöse kostete. Dann kam der Aufstieg und Arnold sah sich gezwungen, tiefer in die Tasche greifen zu müssen. In dieser Situation stand Arnold erstmals wirklich unter Druck von außen. Auf einmal interessierte sich jeder für seine Tätigkeiten und meinte, bewerten zu können, ob der Herr Arnold seinen Job den jetzt gut oder schlecht macht. Und genau an dieser Stelle kam meiner Meinung nach der erste Bruch bei vielen der heutigen Kritiker, weil das Risiko bei Neuzugängen mit Ablösesummen natürlich weitaus größer ist. Ganz nach dem Motto:
Holst du einen Spieler ablösefrei und er schlägt ein, hast du nur deinen Job gemacht. Floppt ein Spieler mit Ablösesumme, bist du der Idiot.

– bis auf Ermin, der 100.000€ Ablöse kostete.
– bis auf Ermin, der 100.000€ Ablöse kostete.

In diesem Zusammenhang fällt oft der Name Torsten Oehrl, der zum Bundesliga-Aufstieg 2013 kam und eine halbe Million Ablöse kostete. Wobei man hier auch nicht von einem Fehleinkauf sprechen kann. Natürlich schlug er auch nicht ein, aber nachdem er seine erste längere Verletzungspause überstanden hatte, zeigte er, warum man ihn geholt hatte. Das sich Oehrl kurz darauf erneut schwer verletzte und sich davon niemals wirklich rehabilitierte, war selbstverständlich nicht absehbar.

Den zweiten und wahrscheinlich schwerwiegenderen Bruch meine ich am Ende dieser Saison und dem damit verbundenen Abstieg ausgemacht zu haben. Als es nämlich hieß, dass gewisse Spieler (Bicakcic und Elabdellaoui) Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen besitzen. Außerdem gab die Höhe dieser Ausstiegsklauseln Anstoß zu Diskussionen.

Wobei man hier auch nicht von einem Fehleinkauf sprechen kann.
Wobei man hier auch nicht von einem Fehleinkauf sprechen kann.

An dieser Stelle möchte ich auf meine anfängliche Äußerung zurückkommen, dass die „Motzer“ keine Ahnung von der Arbeit eines Managers haben. Denn wenn sie wüssten, dass insbesondere bei Ermin und Omar zu dieser Zeit ganz andere Angebote vorlagen, hätte sich wohl niemand beschwert. Ermin beispielsweise hätte vor dem Bundesliga-Aufstieg überhaupt nicht verlängert, wenn es keine Ausstiegsklausel im Falle eines Abstiegs gegeben hätte und wäre somit gänzlich Ablösefrei gewechselt und zwar ein Jahr zuvor. So haben wir immerhin 400.000€ erhalten und nur 100.000€ gezahlt. Bei Omar verhielt es sich ähnlich. Der Junge kam damals von Man Cities U-21 und war nie dafür bestimmt, in der zweiten Liga zu spielen. Davon können wir uns alle spätestens jetzt überzeugen. Er spielt bei einem Champions-League Teilnehmer, ist Norwegens Fußballer des Jahres geworden und knapp fünf Millionen € wert. Bis heute ist über die genaue Höhe der von Piräus an uns gezahlten Summe nichts genaueres bekannt.

Er spielt bei einem Champions-League Teilnehmer, ist Norwegens Fußballer des Jahres geworden und knapp fünf Millionen € wert.
Er spielt bei einem Champions-League Teilnehmer, ist Norwegens Fußballer des Jahres geworden und knapp fünf Millionen € wert.

Es muss einfach bedacht werden, dass Eintracht bzw. Marc Arnold in diesen Verhandlungen nicht am längeren Hebel sitzt. Hat ein Spieler sich in den Fokus anderer Vereine gespielt und hoch dotierte Verträge vorliegen, dann muss Arnold Kompromisse eingehen, um Spieler wenigstens kurzfristig halten zu können. Denn am Verhandlungstisch sitzen immer zwei Parteien, wenn man den Spielerberater hinzunimmt sogar drei, die unterschiedliche Vorstellungen eines Konsens mitbringen.

Lassen sie mich abschließend noch einige Wörter über die nähere Vergangenheit von Marc Arnolds Arbeit verlieren. Wir befinden uns im Personalumbruch. Haben viele Neuzugänge dazubekommen, altgediente langfristig verlängert und jungen Talenten eine Chance gegeben. Der Altersschnitt unserer Löwen liegt derzeit bei gut 24 Jahren. So gut wie alle Leistungsträger besitzen Arbeitsverträge über das Jahr hinaus. Ausnahmen sind Ken Reichel, Jan Hochscheidt und Marc Pfitzner.

noch einige Wörter über die nähere Vergangenheit von Marc Arnolds Arbeit verlieren.
noch einige Wörter über die nähere Vergangenheit von Marc Arnolds Arbeit verlieren.

Mit Salim Khelifi, Gerrit Holtmann, Joseph Baffo, Saulo Decarli, Emil Berggreen und Maximilian Sauer haben wir extrem talentierte Fußballer, die maximal 23 Jahre alt sind und alle noch mindestens drei Jahre Vertrag bei uns besitzen. Für diese sechs Spieler hat Marc Arnold gerade mal 700.000€ an Ablöse gezahlt! Das ist Fakt!

Für diese sechs Spieler hat Marc Arnold gerade mal 700.000€ an Ablöse gezahlt! Das ist Fakt!
Für diese sechs Spieler hat Marc Arnold gerade mal 700.000€ an Ablöse gezahlt! Das ist Fakt!

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass unser sportlicher Leiter in seinen sieben Jahren an der Hamburger Straße eine ganze Menge richtig gemacht hat und das, was ihm zum Nachteil ausgelegt wurde, sich eigentlich jeglicher Wahrheit entzieht. Lasst uns glücklich schätzen, dass wir mit Marc Arnold jemanden haben, der sich mit Stadt und Verein vollends identifiziert und nicht auf kurzfristigen Erfolg aus ist, mit dem er sich anschließend brüsten kann.

dass unser sportlicher Leiter in seinen sieben Jahren an der Hamburger Straße eine ganze Menge richtig gemacht
dass unser sportlicher Leiter in seinen sieben Jahren an der Hamburger Straße eine ganze Menge richtig gemacht