Home Kolumne Die fetten Jahre sind vorbei!

Die fetten Jahre sind vorbei!

Die fetten Jahre sind vorbei!
0

Tradition schlägt jeden Trend. Volkswagen ist der Motor unserer Region. Das trifft nicht nur auf Wolfsburg direkt zu. Ob Braunschweig, Salzgitter, Gifhorn oder Hannover. Letztendlich kommen die niedrigen Arbeitslosenzahlen des Landes Niedersachsen nicht von ungefähr. Wir haben dem Autohersteller eine Menge zu verdanken, alle! Daher sind auch alle entweder direkt oder indirekt von der momentanen Konzernkrise betroffen. Das Ausmaß für die Betroffenen dürfte ebenfalls unterschiedlich groß ausfallen. Investitionen werden gestrichen, Boni werden gekürzt und Jobs möglicherweise sogar endgültig abgebaut. Ist das noch tragbar, wenn sich der Unternehmenseigene Fußballverein dann noch gute 100 Millionen pro Saison gönnt, ohne einen messbaren Return of Invest für den Konzern oder seine Mitarbeiter?

Fußballverein dann noch gute 100 Millionen pro Saison gönnt,
Fußballverein dann noch gute 100 Millionen pro Saison gönnt,

Als Konzerntochter gehört der VfL Wolfsburg ebenfalls zur Volkswagen AG und wird daher vom Sparkurs nicht verschont bleiben. Die erste Streichung gab es schon. Das neue Nachwuchsleistungszentrum vom VfL wurde zunächst auf Eis gelegt – natürlich geht es zuerst der Jugend an den Kragen – Das sollte etwas zwischen sechs und sieben Millionen einsparen. Wohl nur der Anfang. Allerdings kann der neue VW-Chef Müller –er ist dem Fußball nicht so zugeneigt wie sein Vorgänger Winterkorn– bestehende Verträge nicht einfach auflösen. Ansonsten wären die Verträge von Andre Schürrle, Max Kruse und Co. wohl ebenfalls bereits auf dem Prüfstand. Nein, die Vergangenheit können sie nicht mehr ändern. Es ist die Zukunft, die sich ändern wird für VW, den VfL und vielleicht auch für den Fußball in Deutschland.

natürlich geht es zuerst der Jugend an den Kragen
natürlich geht es zuerst der Jugend an den Kragen

Jetzt werden einige wieder kreischen: „Jaa, aber VW sponsert auch die Hälfte aller anderen Vereine. Die würden darunter genauso leiden.“ FALSCH! Das würden sie eben nicht. Und warum, weil sie sich nicht von nur einem Unternehmen abhängig gemacht haben. Nehmen wir beispielsweise unsere Eintracht. Wir profitieren zwar gleich aus zwei Tochterfirmen der VW-Gruppe (VW Financial und SEAT), haben aber auch seit knapp 30 Jahren einen „Pool 100“ bestehend aus über 220 Unternehmen, die Eintracht auch weiterhin die Stange halten werden. Weiterhin gibt es die Sponsoring-Gemeinschaft „Sportfreunde Klub“, der ebenfalls über 440 Firmen-Mitglieder zählt. Und was das Beste an der Sache ist, wir lassen uns hervorragend vermarkten (Deutschlandweit Platz 18 lt. jüngsten Forschungsumfragen). Denn der Verein Eintracht Braunschweig hat Tradition, sportlichen Erfolg, emotionale Fans, ein volles Stadion und eine kontinuierliche geschäftliche-wie sportliche Führung. Beste Voraussetzungen für so gut wie jedes werbeinteressierte Unternehmen auf der Welt.

Tradition schlägt jeden Trend
Tradition schlägt jeden Trend

Außerdem hat Eintracht Braunschweig wie auch alle 15! anderen von VW gesponserten Vereine in Deutschland festgelegte Vertragslaufzeiten für das Werbeengagement mit dem Autobauer. Daran kann VW nichts ändern, so gerne sie das vielleicht auch würden. Dasselbe gilt für die Vermarktungsrechte des DFB-Pokals. Diesen millionenschweren Deal hat VW zunächst auch weiterhin an der Backe. Das heißt im Klartext, kein Verein muss den Sparkurs-Aktionismus der VW-Offiziellen fürchten. Kein Verein? Doch, der VfL selbst! Weil der Verein eine Konzerntochter ist, existieren keine Laufzeitverträge über Sponsorings oder festgelegte Budgets. Somit ist das eine der einfachsten Optionen für Herrn Müller extrem viel Geld zu sparen. Neue Königstransfers á la De Bruyne und Schürrle wären zukünftig undenkbar vielleicht müsste man sich sogar zeitnah von einigen Gehaltsintensiven Spielern trennen, wenn man sich nicht neuen Sponsoren öffnet. Aber wer würde beim VfL werben wollen, im Schatten von VW? Der Verein ist in den Köpfen der Menschen mittelfristig fest verbunden mit einer Marke. Nicht besonders attraktiv für andere Unternehmen. Außerdem ist der Verein zwar inzwischen akzeptiert von den Wolfsburgern, ein Publikumsmagnet ist er aber noch lange nicht. Somit dürfte es relativ schwierig werden auf eigenen Füßen zu stehen und dabei schwarze Zahlen zu schreiben.

ein Publikumsmagnet ist er aber noch lange nicht.
ein Publikumsmagnet ist er aber noch lange nicht.

Was für die VfL-Anhänger eine schmerzhafte Angelegenheit ist, könnte für den Rest der Fußballnation ein Segen sein. Nachdem es jahrelang für Betriebssportmannschaften wie VfL, Hoffenheim, RB oder Ingolstadt ausschließlich sportlich wie wirtschaftlich aufwärts ging, droht jetzt der erste Fall. Und wie das so beim Fallen ist, je höher man steht, desto tiefer fällt man. Ein Absturz des VfL Wolfsburg könnte das abschreckende Beispiel für andere Unternehmer oder Investoren sein, dass das Land brauchte, bevor es nur noch aus Retortenklubs besteht. Und es könnte der DFL zeigen, dass ein nationales Financial Fairplay seinen Sinn hat. Weil es natürlich nicht im Interesse des Verbandes liegen kann, dass ein Verein über Nacht quasi zahlungsunfähig wird, weil der eigen Konzern in einer Krise steckt. Diese Abhängigkeit darf nicht länger geduldet werden.

eine schmerzhafte Angelegenheit
eine schmerzhafte Angelegenheit

Die Meinung des Kolumnisten entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der gesamten Redaktion.