Home Basketball Löwen Der Weg zurück – Cornelius Adler

Der Weg zurück – Cornelius Adler

Der Weg zurück – Cornelius Adler
0

Cornelius Adler ist gebürtiger Braunschweiger. Der einzige im Kader der Basketball Löwen, der dieses Attribut in seiner Geburtsurkunde verewigt erhielt. In den Jahren 2006 bis 2008 sorgt er für das Team der SG Braunschweig in der Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL) für Aufsehen, bevor es ihn in den Süden der Republik verschlägt. Seit dem letzten Jahr ist er zurück in der Heimat, spielt dort in der deutschen Beletage des Basketballs – und all das, obwohl der Flügelspieler in seiner Jugend schon ernsthaft überlegt hatte, die Basketballschuhe an den Nagel zu hängen.

Cornelius Adler ist gebürtiger Braunschweiger. Der einzige im Kader der Basketball Löwen, der dieses Attribut in seiner Geburtsurkunde verewigt erhielt.
Cornelius Adler ist gebürtiger Braunschweiger. Der einzige im Kader der Basketball Löwen, der dieses Attribut in seiner Geburtsurkunde verewigt erhielt.

Verlässlichkeit, Offenheit und Ehrlichkeit sind Tugenden, die Trainer Raoul Korner zur Beschreibung seines Schützlings Cornelius Adler verwendet. Eine Saison haben die beiden nun zusammengearbeitet, mindestens eine weitere wird noch hinzukommen. „Die Arbeitsmoral von Cornelius ist hervorragend. Er arbeitet selbstständig, so wie es sich ein Trainer nur wünschen kann. Manchmal hat er vielleicht etwas zu hohe Ansprüche an sich selbst. Aber eine gewisse Lockerheit wird er sich mit der nötigen Erfahrung noch aneignen“, charakterisiert der österreichische Übungsleiter weiter.

Den Basketballsport entdeckt der heute 26-Jährige bereits im jungen Alter von vier Jahren für sich – allerdings geschieht dies durch eine eher ungewöhnliche Empfehlung. Aufgrund eines Haltungsfehlers rät ein Arzt jener Zeit, Adler zum Sporttreiben zu animieren. Schwimmen steht zunächst zur Debatte, das Interesse am Wassersport hält sich allerdings stark in Grenzen. „Da meine Eltern beide relativ groß sind, sagte der Arzt damals, dass sie mich doch einfach mal zum Basketball schicken sollen“, erinnert sich Adler. Zwei Mal pro Woche geht Cornelius fortan in die Halle, um dem Sport nachzugehen, mit dem er später mal sein Geld verdienen wird.

das Interesse am Wassersport hält sich allerdings stark in Grenzen
das Interesse am Wassersport hält sich allerdings stark in Grenzen

VOM NACHZÜGLER ZUM LEISTUNGSTRÄGER

In seinen Jugendjahren fällt er in ein Tief. Adler entwickelt sich körperlich nicht so schnell wie seine Mitspieler, stagniert in seiner Entwicklung. Einige Zeit denkt er gar ernsthaft darüber nach, dem Basketball den Rücken zu kehren. In dieser schwierigen Phase nimmt sich Halil Coskun seiner an. Der Übungsleiter glaubt an Adlers Talent, schenkt ihm Selbstvertrauen – und diese Methode zeigt Wirkung. Wenige Jahre später gehört Coskuns Protegé zu den besten seines Jahrgangs, läuft sogar für die Jugendnationalmannschaft auf.

In der Folge zeigt die Entwicklungskurve Alders steil nach oben. Während der NBBL-Spielzeit 2007/2008 markiert er 24,2 Punkte pro Partie und wird damit bester Scorer der Liga. Obwohl er nicht zu den Größten gehört, liefert er zudem beeindruckende Statistiken in der Kategorie der Rebounds ab. „Das lag zum Teil daran, dass ich einfach höher springen konnte als die meisten anderen“, erklärt er selbstbewusst. Zur Belohnung gibt es erste Einsatzminuten im Herrenbereich in der Liga ProB und damit steht der Sprung zum Profidasein unmittelbar bevor – doch der nächste Schritt bedeutet vorerst den Abschied aus heimischen Gefilden.

doch der nächste Schritt bedeutet vorerst den Abschied aus heimischen Gefilden.
doch der nächste Schritt bedeutet vorerst den Abschied aus heimischen Gefilden.

VEREINSWECHSEL UND DER SPRUNG ZUM PROFI

Im Alter von 19 Jahren hat sich der Rechtshänder nachhaltig in die Notizbücher der Scouts gespielt. Trainer Ralph Junge lotst Adler an die namhafte Talentschmiede Ehingen/Urspringschule – und bekommt dabei Unterstützung eines anderen Braunschweigers. „Felix Engel, mit dem ich gemeinsam in der NBBL gespielt habe und mit dem ich immer gut zurechtkam, hatte mich empfohlen, nachdem er bereits nach Ehingen gewechselt war. Ralph Junge signalisierte mir sein Interesse und so entschied ich mich für den Wechsel“, sagt Adler.

Durch den Tapetenwechsel erhofft sich Adler, die nächste Sprosse auf der Leistungsleiter erreichen zu können. Ohnehin sieht sein persönlicher Lebensplan damals vor, sich ein wenig von seinem gewohnten Umfeld zu entfernen, um Erfahrungen zu sammeln. Neben dem sportlichen Wettkampf in der Südstaffel der ProB wird noch der Zivildienst abgeleistet.

Für eine gewisse Zeit umgibt Adler nun auch der Reiz, im Basketballmutterland Fuß zu fassen und seine Ausbildung im Basketballprogramm eines US-Colleges fortzusetzen. Der zarte Gedanke an eine temporäre Auswanderung kann aber schlussendlich nie endgültig gedeihen. Zwar zeigt die University of California Irvine zaghaftes Interesse an einem Engagement, eine ernsthafte Offerte bleibt aber aus. So fasst der 1,98 Meter große Adler den Entschluss, sich unmittelbar dem Profitum in Deutschland anzuschließen.

war zeigt die University of California Irvine zaghaftes Interesse an einem Engagement,
war zeigt die University of California Irvine zaghaftes Interesse an einem Engagement,

2010 transferiert er nach Göttingen, ein Jahr später zieht es ihn nach Nürnberg. In diesem Zeitraum tritt er für Trainergrößen wie John Patrick oder Derrick Taylor an, die ihn weiter ausformen. „Besonders unter John Patrick habe ich in kurzer Zeit so viel gelernt wie unter keinem anderen Trainer sonst“, umreißt Adler den Einfluss des US-Amerikaners, ohne dabei die Impulse anderer Übungsleiter außen vor zu lassen: „Ich habe bei jedem Trainer etwas mitnehmen können. Liviu Calin zum Beispiel weiß immer ganz genau, wie er einen Spieler besser machen kann. Das sieht man nicht nur an Dennis Schröder oder Daniel Theis.“

HOME SWEET HOME

Im Sommer 2014 schließt sich der Kreis, als Raoul Korner Cornelius Adler nach Braunschweig lotst. Er ist wieder in der so vertrauten Umgebung, kann in der Halle auflaufen, in der er früher selbst als Zuschauer auf den Rängen saß. Familie und Freunde sind per Fußmarsch zu erreichen – ein Umstand, der zwar Freude hervorruft, aber durchaus auch verzichtbar scheint. So professionell ist Adler mittlerweile. „Es ist ein sehr schönes Gefühl, zu Hause zu sein. Auf der anderen Seite ist es immer noch ein Profigeschäft. Ich habe jetzt sechs Jahre lang in anderen Städten gespielt und daher wäre es übertrieben zu sagen, ich muss unbedingt nah an der Heimat sein. Trotzdem ist es natürlich toll.“

Es ist ein sehr schönes Gefühl, zu Hause zu sein.
Es ist ein sehr schönes Gefühl, zu Hause zu sein.

Die Eingewöhnungszeit in der alten Heimat hält vorerst eine unangenehme Überraschung bereit. Eine schwerwiegende Verletzung an der Achillessehne zwingt den Braunschweiger zum Pausieren. Er verpasst die gesamte Saisonvorbereitung, kann erst mit neunwöchiger Verspätung ins Training einsteigen. Dementsprechend dauert es eine Weile, bis die nötige Bindung zur Mannschaft vollzogen ist. Umso höher sei der Arbeitsaufwand und die mentale Stärke Adlers zu bewerten, die es zu investieren galt, um in Wettbewerbsform zu gelangen, wie Raoul Korner bestätigt: „Durch die lange Verletzung war es natürlich nicht leicht für Cornelius, seine Rolle im Team zu finden. Er hat sich aber nie hängen lassen und sich herangekämpft. Das ist ihm hoch anzurechnen.“

TEAMPLAYER MIT GUTEM DISTANZWURF

Die persönliche Verletzungsmisere sowie die starke Konkurrenz limitieren zwar die Einsatzminuten, seine Rolle als Ergänzungsspieler interpretiert Adler dennoch weniger als Degradierung denn als Mannschaftsdienst. Wichtig sei zuallererst der Gesamterfolg: „Wenn ich ins Spiel komme, ist es vor allem meine Aufgabe, mit meinem Distanzwurf Gefahr auszustrahlen und den anderen ihre Verschnaufpausen zu geben.“

ist es vor allem meine Aufgabe, mit meinem Distanzwurf Gefahr auszustrahlen
ist es vor allem meine Aufgabe, mit meinem Distanzwurf Gefahr auszustrahlen

Ex-Mannschaftskapitän Kyle Visser findet für „Corny“, wie Adler intern gerufen wird, nichts als lobende Worte. Er sei ein guter Freund, der hart arbeite sowie zu großen Teilen zur positiven Teamchemie beitrage. „Auf dem Feld macht er ein bisschen von allem. Er ist ein guter Werfer, in erster Linie aber ein Teamplayer“, so Visser über seinen ehemaligen Mitspieler. Adler selbst sieht das ähnlich, ist sich aber auch bewusst, dass es für Berufsbasketballer stets gilt, an sich selbst zu feilen und sein eigenes Können zu optimieren.

Mittlerweile ist die erste Saison nach seiner Rückkehr lange beendet, seine zweite Spielzeit im Löwendress steht kurz bevor. Die Basketball Löwen haben die Playoffs denkbar knapp verpasst. Im letzten Saisonspiel gegen Hagen kann Adler mit zehn erzielten Punkten noch einmal aufblitzen lassen, dass er in dieser Liga mithalten und seinen Beitrag zum erfolgreichen Abschneiden seiner Farben leisten kann. Persönlich illustriert „Corny“ Charaktereigenschaften eines selbstbewussten und dennoch bescheidenen Sportlers, der durch sein ruhiges Auftreten eine gesunde Mischung aus Professionalität und Lockerheit vermittelt.

gegen Hagen kann Adler mit zehn erzielten Punkten noch einmal aufblitzen lassen,
gegen Hagen kann Adler mit zehn erzielten Punkten noch einmal aufblitzen lassen,

Nach dem Leben auf dem Basketballparkett könnte er sich übrigens vorstellen, als Jurist tätig zu sein. Das Grundstudium der nötigen Ausbildung hat er bereits absolviert. Zunächst aber gilt die volle Konzentration der Sportlerlaufbahn – und das noch mindestens ein weiteres Jahr in der Löwenstadt. „Ein Jahr müsst ihr es mindestens noch mit mir aushalten“, sagt Adler scherzhaft. In der kommenden Basketball-Bundesliga-Saison wird er mit den Basketball Löwen einen wiederholten Angriff auf die Playoff-Ränge starten – und sollte er nicht erneut von einer Verletzung heimgesucht werden, vielleicht auch in einer etwas größeren Rolle.