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Quarterback – Anführer des Rudels

Quarterback – Anführer des Rudels
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Er ist gemeinhin das Aushängeschild einer jeden American Football-Organisation, gilt in der Regel als wichtigster Spieler seines Teams und selbst absolute Sportlaien haben seine Positionsbezeichnung zumindest schon einmal in einem der unzähligen Teenie-Highschool-Filme aufgeschnappt. Der Quarterback mimt den Dreh- und Angelpunkt der Angriffsformation einer Footballmannschaft, er zieht die Fäden, trifft die wichtigsten Entscheidungen und ist dabei der Anführer eines ganzen Rudels.

der Anführer eines ganzen Rudels.
der Anführer eines ganzen Rudels.

Was der Trainer fordert, hat der Quarterback umzusetzen. So gesehen ist er der verlängerte Arm, der die gewünschte Spielphilosophie auf dem Spielfeld ummünzt. Er ist der Regisseur, muss in kürzester Zeit Entscheidungen fällen, die seinem Team das Optimum an Erfolg garantieren. Dieser Umstand bedeutet eine große Verantwortung und eine große Verantwortung bedeutet eine Menge Druck, der auf den Schultern des Spielmachers lastet.

 eine Menge Druck, der auf den Schultern des Spielmachers lastet.
eine Menge Druck, der auf den Schultern des Spielmachers lastet.

Ursprünglich wurde der US-Amerikaner Grant Enders für die Saison 2015 von den New Yorker Lions Braunschweig ins Team berufen, um diese Verantwortung zu übernehmen und den Angriff des Rekordmeisters zu organisieren. Um dem hohen Druck im Vorfeld zu begegnen und vorzubeugen, verweist der 24-Jährige auf die Arbeit, die er und seine Mannschaftskollegen während der Saisonvorbereitung investieren. Von hoher Bedeutung sei es demnach, seine Mannschaftskollegen kennenzulernen, sie zu studieren, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. „Für einen Quarterback ist es enorm wichtig, Führungsqualitäten mitzubringen und in der Lage zu sein, seinen Mitspielern zu vertrauen, damit sie mit vollem Einsatz für dich spielen. Durch die Zeit, die wir in der Vorbereitung auf dem Feld verbringen und in der wir uns als Team finden, wächst das Selbstvertrauen. Man lernt sich gegenseitig kennen, fühlt sich wohl auf dem Spielfeld und all das verringert den Druck um ein Vielfaches“, erklärt Enders. Wie in jedem anderen Mannschaftssport hängt das Gesamtergebnis zu großen Teilen davon ab, ob der Glaube an die eigenen Fähigkeiten sowie auch an die der Mitstreiter gegeben ist. Anderenfalls ist es auch für den besten Quarterback unmöglich, die Pässe an die Empfänger zu bringen und somit den gewünschten Erfolg herbeizuführen.

die Pässe an die Empfänger zu bringen
die Pässe an die Empfänger zu bringen

Anfang Mai diesen Jahres zwingt ein Schicksalsschlag die Lions dazu, auf der Quarterbackposition einen Wechsel vorzunehmen. Nachdem sich Enders eine schwere Oberschenkelverletzung zugezogen hat, müssen sich die Verantwortlichen nach einem anderen Anführer umsehen. Besetzt wird die vakante Stelle mit einem alten Bekannten: Casey Therriault wird für den Rest der Saison in die Bresche springen – und das nun bereits zum dritten Mal. In den vergangenen zwei Spielzeiten ebenfalls nachverpflichtet, führte er das Löwenrudel in den Jahren 2013 und 2014 jeweils zum Gewinn des German Bowls. Grant Enders kann sich somit in aller Ruhe auf seine Rehabilitation konzentrieren und bleibt den New Yorker Lions weiterhin als Mannschaftsteil erhalten.

Nachdem sich Enders eine schwere Oberschenkelverletzung zugezogen hat, müssen sich die Verantwortlichen nach einem anderen Anführer umsehen, einem alten Bekannten: Casey Therriault
Nachdem sich Enders eine schwere Oberschenkelverletzung zugezogen hat, müssen sich die Verantwortlichen nach einem anderen Anführer umsehen, einem alten Bekannten: Casey Therriault

Obwohl Therriault, der im Alter von fünf Jahren zum ersten Mal einen Football in die Hand nahm, ein ausgewiesener Passspieler ist, beschränken sich seine Stärken nicht ausschließlich darauf, seine Receiver in Szene zu setzen. Das so genannte Rushing – wofür in erster Linie die Spieler auf der Position des Running Backs zuständig sind – ist heutzutage ein immer wichtiger werdender Baustein im Kompetenzfundus moderner Quarterbacks. So es das gegnerische Verteidigungsverhalten hergibt, versucht der Spielmacher dabei selbst, das Spielgerät durch einen Lauf voranzutreiben, ohne den Ball durch ein Abspiel zu bewegen. Wie er bereits während seiner Collegezeit an der Jackson State University sowie auch auf den deutschen Footballfeldern unter Beweis gestellt hat, bringt Therriault eben dieses Element mit in die Löwenstadt und gestaltet die Offensive der New Yorker Lions dadurch noch variabler. „Für einen Quarterback ist es ein Bonus, wenn er in der Lage ist, mit dem Ball zu laufen. Der gegnerischen Verteidigung gibt diese Fähigkeit eine weitere Aufgabe, auf die sie sich vorbereiten muss. Wichtiger als der physische Aspekt ist für einen Quarterback aber die mentale Stärke, die es ihm erlaubt, Schwächen in der Defense zu lesen und dadurch die eigenen Mitspieler einzubinden und anzuspielen. Wenn es möglich ist, das Spielgeschehen durch das Passspiel zu lenken, ist das Verletzungsrisiko und das Risiko der Erschöpfung ebenfalls geringer“, sagt Therriault. Er selbst sehe es demnach als seine primäre Aufgabe, seine Mitspieler in Szene zu setzen, „aber wenn es die Spielsituation erlaubt, werde ich auch selbst versuchen, Raumgewinn zu erzielen. Das war auch in der Vergangenheit eine meiner Stärken.“

 Das so genannte Rushing – wofür in erster Linie die Spieler auf der Position des Running Backs zuständig sind – ist heutzutage ein immer wichtiger werdender Baustein im Kompetenzfundus moderner Quarterbacks.
Das so genannte Rushing – wofür in erster Linie die Spieler auf der Position des Running Backs zuständig sind – ist heutzutage ein immer wichtiger werdender Baustein im Kompetenzfundus moderner Quarterbacks.

Um sich stetig weiterzuentwickeln, muss ein Quarterback seine Sportart besser verstehen, besser lesen können als jeder andere Footballspieler. Während der spielfreien Zeit heißt es für Grant Enders daher nicht nur, den Wurfarm auf Temperatur zu halten, sondern auch mental auf Touren zu bleiben. Er selbst verbringe daher viel Zeit bei der Videoanalyse: „Neben meinen Wurfübungen geht es mir besonders darum, das Spiel besser zu verstehen und zu verinnerlichen, welche Mittel die Verteidigung einsetzt, um den Quarterback zu verwirren und abzulenken.“

Neben meinen Wurfübungen geht es mir besonders darum, das Spiel besser zu verstehen
Neben meinen Wurfübungen geht es mir besonders darum, das Spiel besser zu verstehen

Seine Entscheidung zu einer erneuten Rückkehr nach Braunschweig bezeichnet der 1,91 Meter große Therriault übrigens als „No-Brainer“ – was so viel bedeutet, dass er für diese Entscheidung keine lange Bedenkzeit benötigte. Als er den Anruf von Coach Tomlin erhielt, war die Wiederkehr beinahe schon Routine: „Ich fühle mich sehr wohl dabei, wieder in Braunschweig zu sein. Es ist ja nun auch schon das dritte Mal und ich freue mich immer wieder, hierher zurückzukommen. Jetzt werde ich tun, was ich kann, um dem Team zu helfen“, verrät der Rechtshänder.

bezeichnet der 1,91 Meter große Therriault übrigens als „No-Brainer“ – was so viel bedeutet, dass er für diese Entscheidung keine lange Bedenkzeit benötigte.
bezeichnet der 1,91 Meter große Therriault übrigens als „No-Brainer“ – was so viel bedeutet, dass er für diese Entscheidung keine lange Bedenkzeit benötigte.

Die sportliche Eingewöhnungszeit haben beide Spielmacher bereits erfolgreich überstanden. Da Cheftrainer Troy Tomlin seinen Quarterbacks eine Menge Freiheiten gewährt, wurde ihnen die Anpassungsphase zusätzlich erleichtert. Für Spielmacher sei es – so verraten die beiden US-Amerikaner unisono – die wohl bestmögliche Offensivphilosophie, „weil wir es mögen, den Ball zu passen – und Coach Tomlin mag das ebenfalls.“ Ob es für das Rudel der New Yorker Lions erneut zum großen Wurf der Titelverteidigung genügt, vermag noch niemand vorherzusagen. Geht es aber um die für einen Quarterback essenziellen Eigenschaften, scheint der Trainerstab nun sogar zwei echte Anführer in seinen Reihen zu wissen.

Ob es für das Rudel der New Yorker Lions erneut zum großen Wurf der Titelverteidigung genügt, vermag noch niemand vorherzusagen.
Ob es für das Rudel der New Yorker Lions erneut zum großen Wurf der Titelverteidigung genügt, vermag noch niemand vorherzusagen.