NLZ

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Der Fußball ist um ein Akronym reicher, das NLZ. Aber was zum Geier ist ein NLZ überhaupt? Nun, zunächst steht das Kürzel für Nachwuchsleistungszentrum und jeder Lizenzverein der 1. oder 2. Bundesliga ist vom DFB dazu verpflichtet, eines zu haben. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um eine Einrichtung zur Förderung der Jugend. Eintracht Braunschweig musste sich daher spätestens nach dem Zweitliga-Aufstieg im Jahr 2011 mit der Erschaffung eines solchen Leistungszentrums beschäftigen. Das ist jetzt vier Jahre her und was hat sich seitdem getan?

Was hat sich getan

Diese Frage ließe sich kurz und knapp beantworten: Eine ganze Menge. Nun betrachten wir unseren journalistischen Auftrag allerdings etwas komplexer und möchten doch etwas tiefer in die Materie eindringen. Besonderen Fokus werden wir dabei auf die U-17 und U-19 Bundesliga-Mannschaften von Eintracht Braunschweig legen, die im NLZ am Kennel heimisch sind. Diese Teams stehen hier beispielhaft für die erfreuliche Entwicklung des gesamten Nachwuchsbereichs in den vergangenen Jahren. Wir sprechen hier über Jugendliche im Alter zwischen 16 und 19 Jahren und über weitestgehend professionelle Bedingungen, die den Spielern zur Verfügung gestellt werden. Allerdings wird auch eine ebenso professionelle Einstellung in Bezug auf Training und Lebensstil von ihnen erwartet, um die Wahrscheinlichkeit, den Sport zur Profession werden zu lassen, möglichst groß zu gestalten. Denn letztendlich geht es für beide Parteien genau darum.

Hochspannung im NLZ

Um der Chronologie ihre verdiente Anerkennung zukommen zu lassen, beginnen wir mit unserer Zusammenfassung dort, wo alles begann und mit einem Mann, der einen großen Anteil am heutigen Erfolg des Leistungszentrums hat: Sven Gartung.
Als er im Jahr 2010 zum neuen „Leiter Nachwuchs“ wurde, stellten Gartung und sein Team die Weichen für den heutigen Progress. Zum Beispiel, indem sie Trainer wie Benjamin Duda (26 Jahre) oder Sascha Eickel (39 Jahre) nach Braunschweig lockten und sie langfristig an den Verein banden. Letzterer ist Übungsleiter der U-19 und seit Juli 2013 bei der Eintracht. Zuvor war Eickel für Borussia Dortmunds A-Jugend verantwortlich. Sein Kollege Benjamin Duda, der zwar jünger ist, aber fachlich in nichts nachsteht, kam bereits 2011 vom VfB Peine zu den Nachwuchslöwen. Beide führten ihre Teams in die höchste deutsche Spielklasse und etablierten sie dort.

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U-17

Für die B-Jugendlichen gab es in den letzten Jahren eigentlich so gut wie keine Rückschläge. Nach dem Bundesliga-Aufstieg vor zwei Jahren konnte die Klasse in beiden Jahren gehalten werden. In diesem Jahr steigerten sich die Junglöwen sogar noch einmal um zwei Plätze und werden die Saison als achter der Tabelle abschließen. Im Vorjahr war die Mannschaft von Coach Benni Duda auf dem zehnten Platz gelandet. Außerdem hat der blau-gelbe Nachwuchs das Finale des Conti-Pokals erreicht und wird dort den VfL Osnabrück bespielen. Daher gibt es für den Übungsleiter selbst auch keinen Grund, die vergangene Saison nicht als Erfolg zu bezeichnen. „Ich bin mit der fußballerischen Entwicklung der Mannschaft sehr zufrieden, aber auch menschlich und mental haben die Jungs sich weiterentwickelt“, berichtete Duda. Letzterer Aspekt liegt den Verantwortlichen im NLZ besonders am Herzen. Darum wurde bei der Auswahl der Trainer auch Wert auf die sogenannten „social skills“ gelegt. Wir reden hier ja schließlich über heranwachsende Jugendliche, bei denen die Hormone ab und an mal die Kontrolle übernehmen wollen und dann brauchen die Jungs einen empathischen Ansprechpartner, der in erster Linie zuhört. Das kann Coach Duda, der einen sehr engen Kontakt zu seinen Spielern pflegt und auch fest davon überzeugt ist, dass das einen Teil des Erfolgs ausmacht.

Auf dem Platz spielten sich dieses Jahr zwei Ausnahmetalente in den sportlichen Fokus. Abwehrchef und Kapitän Besfort Kolgeci (17 Jahre) macht zurzeit sein Abitur auf der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule und sorgt für einen sauberen Spielaufbau sowie eine stabile Grundordnung in der Viererkette. Sein offensives Pendant ist Ahmet Canbaz (17 Jahre), der schon türkischer Jugend-Nationalspieler ist und bei Braunschweig als Spielmacher aufläuft. „Ahmet ist ein Spieler, der seine Mitspieler auf dem Platz mitziehen kann und besser macht“, sagt sein Trainer über ihn. Unglücklicherweise fehlte Canbaz in den letzten Wochen der Saison wegen einer schweren Schulterverletzung, die er zum wiederholten Male erlitt.

Beide Spieler wechseln, wie ein Großteil der Mannschaft, aufgrund ihres Alters in den A-Jugend-Bereich. Benjamin Dudas Vertrag läuft nach Saisonende aus. Bisher ist noch nichts über eine Verlängerung bekannt, aber der Peiner ließ uns gegenüber durchblicken, dass man sich bereits einig geworden sei und eine Verlautbarung demnächst anstehe. Eine äußerst erfreuliche Nachricht.

U-19

Seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren ging es für Coach Sascha Eickel und seine Mannschaft nur in eine Richtung: nach oben. In seiner ersten Saison bei den Löwen bescherte er dem Verein direkt den Aufstieg in die Bundesliga. Die Kaderplanung für die vergangene Saison verlief dann zusammen mit NLZ-Leiter Sven Gartung und Benjamin Duda äußerst vielversprechend. Mit Spielern wie Niko Kijewski (19 Jahre), Ingo Feser (19 Jahre) und Marco Kaffenberger (18 Jahre) konnten extrem ambitionierte Spieler nach Braunschweig geholt werden, die den Kader enorm verstärkten. Kombiniert mit den Spielern, die im Jahr zuvor den Aufstieg realisierten, konnte man als neutraler Beobachter auf das erste Bundesligajahr der Blau-Gelben durchaus gespannt sein.

Wie die Saison dann letztendlich verlief, hätten wohl selbst die größten Optimisten nicht erwartet. Nachdem Eickels Schützlinge die ersten fünf Spiele gewannen, musste man sich erst gegen den FC St. Pauli geschlagen geben.

Besonders auffällig zeigten sich hier schon die Spieler Eros Dacaj (18 Jahre) – Spielmacher – und Julius Düker (19 Jahre) – Stürmer –, die am Ende der Saison kombiniert auf 25 Tore kommen sollten. Düker spielte sich auch auf den Zettel der sportlichen Leitung Eintracht Braunschweigs und bekam vor kurzem einen Profivertrag vorgelegt, den er bis 2017 unterzeichnete. Dacaj hingegen wurde noch kein ähnlicher Kontrakt vorgelegt, obwohl der Deutsche mit albanischen Wurzeln ein absolutes Genie im zentralen Mittelfeld ist, das einen von seiner Spielanlage und dem Bewegungsablauf stark an Mesut Özil erinnert. Neben seiner unglaublichen Spielübersicht und Ruhe am Ball ist er mit 13 Toren und acht Assists auch erfolgreichster Scorer der A-Jugendlichen. Zudem pendelt Dacaj fünf Mal die Woche über 100 Kilometer um in Braunschweig zu spielen und nebenbei noch sein Abitur in der Heimatstadt Northeim zu machen. Defizite hat der Zehner noch in der Spritzigkeit und im Zweikampfveralten.

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Als Resultat des ersten Bundesligajahres stehen die Nachwuchslöwen auf einem hervorragenden fünften Tabellenplatz, direkt hinter den „Großen“ der Region –Hannover, Wolfsburg, Berlin, Leipzig. Einige von ihnen konnten in direkten Duellen sogar bezwungen werden. Wie bei den B-Junioren wird der Mammut-Teil der Mannschaft aus Altersgründen den Jugendbereich verlassen, um in den Herrenbereich zu wechseln. Sascha Eickel allerdings bleibt der U-19 noch für mindestens zwei Jahre erhalten, solange besitzt sein Vertrag zumindest Gültigkeit. Und wir sowie die Vereinsführung von Eintracht Braunschweig können nur hoffen, dass er ihn auch erfüllen wird – beziehungsweise noch weiter ausbaut.